Wir haben das schon einmal angeschaut: Führen heißt, den roten Faden zu halten. Folgen heißt, dem zu folgen, was gerade wirklich da ist. Beides gleichzeitig – das ist das Grundprinzip.
Aber es gibt noch eine Ebene, die nochmal eigene Aufmerksamkeit verdient.
Denn Folgen bedeutet nicht nur, auf das zu reagieren, was jemand sagt. Es bedeutet auch: keine Intervention setzen, nur weil man gerade eine parat hätte. Nicht jede Technik, die man kennt, will auch eingesetzt werden. Und nicht jeder Moment, der sich nach einer guten Frage anfühlt, ist wirklich einer.
Eine Intervention zur falschen Zeit macht den Prozess kaputt. Nicht absichtlich oder aus Nachlässigkeit, sondern schlicht, weil sie den Fluss unterbricht. Weil sie die Klientin aus etwas herausreißt, was gerade im Entstehen war. Ein Aha-Moment, der sich gerade anbahnt, braucht Stille – keine weitere Frage.
Das ist manchmal nicht so leicht auszuhalten. Besonders am Anfang. Weil Schweigen sich nach Nichtstun anfühlt. Weil man das Gefühl hat, jetzt müsste man doch irgendwas beitragen.
Aber das Gegenteil ist oft wahr. Wer wartet, wer wirklich zuhört, wer dem Prozess der Klientin vertraut – der greift im richtigen Moment ein. Nicht früher.
Die Frage ist also nicht nur: Was könnte ich jetzt tun? Sondern: Dient das, was ich jetzt tun möchte, dem Prozess dieser Person – oder mir?
Das ist ein feiner Unterschied. Aber genau dieser Unterschied macht aus einer Sitzung eine die trägt.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Führen und Folgen” im Coaching?
Führen bedeutet, den roten Faden eines Gesprächs zu halten – Folgen bedeutet, dem zu folgen, was gerade wirklich bei der Klientin da ist. Beides passiert gleichzeitig: Eine gute Coachin hält Richtung und Offenheit zugleich, statt sich für eines von beidem zu entscheiden.
Woran erkenne ich, dass ich als Coach zu früh interveniere?
Ein Hinweis ist, wenn die Intervention mehr aus dem eigenen Repertoire kommt als aus dem, was die Klientin gerade tatsächlich braucht. Nicht jede Technik, die man kennt, und nicht jede Frage, die einem gerade einfällt, will auch in diesem Moment eingesetzt werden.
Warum kann eine gut gemeinte Intervention den Coaching-Prozess stören?
Weil sie den Fluss unterbricht, der gerade im Entstehen oder am Laufen ist. Eine Intervention zur falschen Zeit reißt die Klientin aus einem Moment heraus, in dem etwas gerade selbst zur Erkenntnis kommen wollte – ein Aha-Moment braucht in dem Augenblick Stille, keine weitere Frage.
Ist Schweigen im Coaching nicht einfach Nichtstun?
Nein, im Gegenteil – Schweigen kann die aktivste Form von Begleitung sein. Es fühlt sich besonders am Anfang oft nach Untätigkeit an, weil man das Gefühl hat, etwas beitragen zu müssen. Tatsächlich greift, wer wartet und wirklich zuhört, im richtigen Moment ein – nicht zu früh.
Wie finde ich als Coach den richtigen Moment für eine Intervention?
Indem man dem Prozess der Klientin vertraut, statt der eigenen Ungeduld zu folgen. Der richtige Moment zeigt sich meist erst, wenn der vorherige wirklich zu Ende gelebt wurde – Vertrauen in die Stille ist hier oft wirksamer als Aktionismus.
Woher weiß ich, ob ich aus dem Prozess der Klientin heraus handle oder aus meinem eigenen Bedürfnis?
Die entscheidende Frage lautet: Dient das, was ich jetzt tun möchte, dem Prozess dieser Person – oder dient es mir? Dieser feine Unterschied entscheidet oft darüber, ob eine Sitzung wirklich trägt oder ob sie nur die eigene Unsicherheit beruhigt.



