Struktur an sich ist völlig okay – sogar gut: Ein roter Faden, eine Auftragsklärung, ein Abschluss, der nochmal auf das Ausgangsthema schaut – das alles hat seinen Platz und gibt Orientierung. Es hält quasi eine Sitzung zusammen. Und am Anfang, wenn noch vieles neu ist, gibt es auch Sicherheit.
Die Frage ist nur: Wessen Sicherheit?
Wenn ich innerlich stresse, weil mir in meinem Wunsch-Ablauf noch etwas fehlt… weil ich noch keinen klaren Auftrag formuliert habe… weil das Schema sagt, jetzt müsste eigentlich dies oder jenes kommen – dann bin ich nicht mehr beim Gegenüber. Dann bin ich bei meinem Ablaufplan. Und das sind zwei völlig verschiedene Orte.
Es kann eine Sitzung geben, in der jemand einfach erzählt. Zwanzig Minuten, dreißig Minuten. Keine Intervention, keine Technik, keine Transferplanung. Nur zuhören, paraphrasieren, Raum halten. Und am Ende fragen: Wie ist das jetzt, wo du das alles mal sagen konntest?
Wenn die Antwort ist: „Das hat gut getan“, dann war das eine gute Sitzung, auch wenn kein Schema erkennbar war und auch wenn du das Gefühl hast, eigentlich nichts getan zu haben.
Wer in diesem Moment eine Intervention dazwischensetzt, nur weil die Struktur es so verlangt, macht möglicherweise genau das kaputt, was gerade im Entstehen war. Manchmal brauchen Dinge einfach Raum. Bevor sie sich bewegen können, müssen sie erst mal da sein dürfen.
Die Struktur gehört in den Hinterkopf. Der Mensch gehört in den Blick.



