Trauer ist kein Zustand, den man heilt. Sie ist ein Prozess. Und der tut weh. Er tut oft so weh, dass man als Begleiterin manchmal Mühe hat, die eigene Hilflosigkeit auszuhalten und sich wünscht, das wegmachen zu wollen. Den Schmerz lindern, ablenken, trösten. Irgendetwas tun.
Genau das ist der Punkt, an dem man aufpassen muss.
Grundsätzlich arbeiten wir eher aktiv an einer Lösung oder an einem Zustand von mehr Weite: Wir regulieren, stabilisieren, bauen Ressourcen auf. Wir helfen dem Nervensystem, aus einem Zustand herauszukommen, der nicht mehr hilfreich ist.
Bei Trauer ist es anders. Die Wut, die Verzweiflung, der Schmerz – das sind keine Symptome, die weg sollen. Das ist der Prozess selbst. Wer ihn unterbricht, verhindert ihn. Wer ihn wegmachen will, nimmt der trauernden Person etwas weg, was sie braucht.
Es gibt eine schöne Definition von Trauer:
„Trauer ist der Prozess vom Verlust des Gehabten hin zum Haben des Verlorenen.“
Also der Weg dorthin, irgendwann ohne Schmerz an jemanden denken zu können, den man geliebt hat, das braucht Zeit und Raum. Und das braucht jemanden, der aushält, was da ist, ohne es verändern zu wollen.
Die Aufgabe in der Trauerbegleitung ist deshalb eine andere. Nicht verändern oder „reparieren“, sondern einfach da sein und den Raum halten, damit die trauernde Person sich fallen lassen kann, ohne in tausend Teile zu zerfallen.
Das klingt nach wenig. Aber es ist mit das Schwerste (und das Wichtigste) was man tun kann.



