Kennst du Dumbo? Den Elefanten mit den riesigen Ohren, der fliegen kann – aber lange nicht weiß, dass er es kann? Ein Freund gibt ihm eine Feder und sagt: Damit kannst du fliegen. Und Dumbo glaubt es und fliegt. Allerdings geht er davon aus, dass er nur mit Feder im Rüssel fliegen kann. Daher hält er sie die ganze Zeit im Rüssel fest.
Bis er sie aufgrund eines Missgeschicks mitten im Flug verliert.
Und dann – weil es Walt Disney ist – merkt er natürlich recht schnell: Er konnte es die ganze Zeit selbst. Die Feder war nie der Grund.
Genau das ist das Bild, das ich im Kopf habe, wenn Klientinnen anfangen, sich an etwas festzuhalten. An einem Duft, an einem Gegenstand oder auch an mir.
Alles davon darf natürlich sein, aber es sollte nur ein Übergang sein. Eine Brücke, die hilft, solange das neue und gewünschte neuronale Netz noch dünn ist. Aber das Ziel ist immer dasselbe: dass die Ressource von innen kommt. Unabhängig von äußeren Bedingungen. Und vor allem: unabhängig von mir.
Mein Ziel ist es, überflüssig zu werden.
Das klingt unfreundlich. Es ist aber das Liebevollste, was ich tun kann. Denn jede Abhängigkeit – auch von mir, auch von etwas Wohltuendem – ist eine neue Einschränkung. Und Trauma hat ja die große Überschrift: „Ich kann nicht.“ Was wirklich hilfreich ist für Klienten, wenn wir gemeinsam „Ich kann“-Momente im Leben entdecken .
Also: Hilfsmittel ja, eben weil es erstmal hilft. Aber ich muss mich immer fragen: bildet sich da gerade ein neuronales Netz, das etwas Äußeres braucht? Und wenn ja – dann wird es Zeit, die Feder loszulassen.



