Beim Etablieren des sicheren Ortes gibt es ein klares Schema, nachdem man vorgehen kann. Allerdings ist auch hier wie immer wichtig, nicht nur das Schema im Kopf zu haben, sondern sich klar zu machen, um was es bei dieser Intervention im Kern geht. Daher sind jenseits des Schemas drei Sachen wichtig, die man immer im Hinterkopf behalten sollte und aus denen sich im Grunde alle weiteren Fragen ergeben:
Ist der Ort wirklich sicher? (also so wirklich wirklich)
Kann die Klientin ihn jederzeit wiederfinden?
Und kann sie das Gefühl selbst wiederholen, ohne Begleitung?
Das ist der Kern. Wenn diese drei Dinge stimmen, ist die Arbeit getan. Wie der Weg dorthin aussieht, bestimmt die Person, die einem gegenübersitzt und nicht ein Plan, den man vorher hatte. Das Schema oder der Plan dient nur zur Orientierung. Am Ende ist jeder dieser Orte zutiefst individuell.
Für die Praxis heißt das: Wenn ein sicherer Ort erarbeitet wurde, will man wissen, ob er hält. Aber man testet ihn nicht, indem man ihn unsicher macht. Das wäre wie ein Loch in etwas bohren, was man gerade gemeinsam aufgebaut hat. Stattdessen führt man die Person behutsam hinaus und schaut, was passiert. Bleibt das Gefühl? Gut. Wenn nicht: Wie kommt sie zurück?
Und wenn man ausprobieren möchte, ob der Ort auch unter Druck hält, nimmt man nicht das schwierigste Thema. Man nimmt eine mittlere Herausforderung oder eine leichte.
Wichtig dabei: immer nach verkörperter Sicherheit fragen, nicht nach kognitiver. Der Kopf kann sagen: „Ja, ich glaub, das ist sicher“, und trotzdem ist da kein Gefühl von Sicherheit im Körper. Das ist dann keine echte Sicherheit, sondern eine erdachte. Echte Sicherheit zeigt sich darin, dass jemand schwerer wird, tiefer atmet, mehr Stabilität oder Weite erlebt. Der Körper gibt Auskunft.
Erst wenn das da ist, hält der sichere Ort.
Was ist der sichere Ort in der Coaching- und Traumaarbeit?
Der sichere Ort ist eine innere Vorstellung oder ein Gefühl, das einer Klientin echte Sicherheit vermittelt – zutiefst individuell und nicht standardisiert. Entscheidend sind drei Kernpunkte: Der Ort muss wirklich sicher sein, jederzeit wiederfindbar sein und das Gefühl muss von der Klientin auch ohne Begleitung selbst wiederholbar sein.
Woran erkenne ich, dass ein sicherer Ort wirklich hält und nicht nur gedanklich konstruiert ist?
Echte Sicherheit zeigt sich im Körper, nicht nur im Kopf – etwa durch tieferes Atmen, mehr Schwere oder ein Gefühl von Stabilität und Weite. Wenn jemand kognitiv sagt „ich glaube, das ist sicher”, der Körper aber nichts davon zeigt, ist das noch keine echte, sondern nur eine erdachte Sicherheit.
Warum reicht es nicht, dass eine Klientin kognitiv bestätigt, sich sicher zu fühlen?
Weil der Kopf etwas als sicher einordnen kann, ohne dass diese Sicherheit im Nervensystem tatsächlich ankommt. Nur eine verkörperte Reaktion (Atmung, Haltung, Gefühl von Stabilität) zeigt, dass der sichere Ort auch wirklich trägt und nicht nur behauptet wird.
Sollte man den sicheren Ort testen, indem man ihn bewusst infrage stellt oder unsicher macht?
Nein, das würde die gerade aufgebaute Sicherheit direkt untergraben. Stattdessen wird die Person behutsam aus dem sicheren Ort herausgeführt, um zu beobachten, ob das Gefühl bestehen bleibt oder wie der Rückweg dorthin gelingt – ohne den Ort selbst zu gefährden.
Wie testet man, ob ein sicherer Ort auch unter Druck stabil bleibt?
Indem eine mittlere oder leichte Herausforderung herangezogen wird. Nicht das schwierigste Thema der Klientin. So lässt sich prüfen, ob der sichere Ort trägt, ohne ihn durch zu starke Belastung sofort zu überfordern.
Warum gibt es kein festes Vorgehen, das für jede Klientin gleich funktioniert?
Weil jeder sichere Ort zutiefst individuell ist und die Person selbst bestimmt, wie der Weg dorthin aussieht – nicht ein vorher festgelegter Plan. Das Schema dient nur zur groben Orientierung; die eigentliche Arbeit richtet sich immer nach dem, was bei der jeweiligen Klientin wirklich trägt.



