Es sind nur fünf Worte. Aber sie machen die Tür zu.
Was in dem Moment passiert
„Das weiß ich schon. Das kann ich schon.”
In dem Moment, wo dieser Satz auftaucht – innerlich oder ausgesprochen – passiert folgendes: Dein Geist entscheidet, dass du auf einer Skala von 0 bis 100 irgendwo bei 90 oder 100 bist – und hört auf, zuzuhören oder das, was zu hörst, in Dir zu bewegen.
Das Gehirn ist effizient. Warum Energie aufwenden für etwas, das man schon kann?
Das Problem: Niemand ist je bei 100. Egal, bei was. Roger Federer, einer der besten Tennis-Spieler aller Zeiten, hat auch nicht JEDEN Ballwechsel gewonnen. 100% gibt es nicht.
Der beste Pianist der Welt übt täglich weiter. Die erfahrenste Begleiterin kann noch etwas aus einem Gespräch mit einer Berufsanfängerin lernen – weil sie Dinge anders betont, anders erklärt, aus einem anderen Winkel beleuchtet.
Wer glaubt, er kann etwas schon vollständig, lernt es nie ganz.
Die unsichtbare Falle für Erfahrene
Es ist tricky, weil man wirklich aufpassen muss, dass einem das nicht passiert, wenn es um Themen geht, mit denen man sich selbst schon länger beschäftigt.
Dann sitzt man in einem Vortrag, einer Weiterbildung, einem Webinar und hört eigentlich zu, aber irgendwo im Hintergrund läuft der Gedanke: kenn ich, hab ich, mach ich schon so. Man nickt, aber eigentlich wartet man wartet, bis etwas Neues kommt.
Und verpasst dabei die Nuance. Den anderen Blickwinkel. Die Formulierung, die es plötzlich anders greifbar macht.
Der Shift, der alles verändert
Von „weiß ich schon” zu: „Ich weiß schon viel davon – und genau deshalb interessiert mich jede weitere Facette.”
Das klingt minimal, ist aber fundamental anders.
Wer wirklich tief in einem Thema steckt, der weiß auch, wie viel Tiefe bei diesem Thema noch da ist. Oberflächliches Wissen erzeugt das Gefühl von Vollständigkeit. Echtes Wissen erzeugt Neugier.
Die Frage ist also nicht nur: Wie offen bin ich für Neues? Sondern: Wie ehrlich bin ich darüber, wie viel ich wirklich weiß?
Was das mit dem Miteinander macht
Wer nicht mehr beweisen muss, dass er es schon kann – der kann einfach zuhören.
Kein Vergleichen und kein „ich mach das aber schon seit zehn Jahren”. Dieses innere Ranking raubt einem das offene Zuhören.
Besser: Interessant. Was nimmst du wahr, was ich vielleicht noch nicht so gesehen habe?
Das verändert nicht nur, wie viel man lernt. Es verändert die Qualität von Gesprächen, von Beziehungen, von Zusammenarbeit.
Offenheit ist keine Schwäche. Sie ist die Voraussetzung für alles, was noch kommen kann.
Eine Frage zur Reflexion
In welchen Bereichen deines Lebens sagst du „kann ich schon” – und machst damit die Tür zu für das, was noch möglich wäre?



