Es klingt simpel. Und trotzdem passiert es uns allen: Wir stellen eine Frage, merken mitten beim Sprechen, dass sie vielleicht nicht ganz so gut war – und ergänzen. Oder wir denken, eigentlich wäre noch ein zweiter Aspekt wichtig, und hängen noch eine Frage dran. Und dann noch eine.
Was dabei im Gegenüber passiert, ist vorhersehbar: Das Gehirn gerät in eine stille Überforderung. Welche der drei Fragen soll es denn jetzt beantworten? Die erste war interessant, die zweite klang ein ganz bisschen anders, die dritte bringt nochmal einen neuen Impuls dazu. Was das Gehirn daraus macht, ist, dass es sich die letzte Möglichkeit schnappt und darauf antwortet. Die erste, häufig übrigens die eigentlich treffendste, verpufft leider.
Ein Beispiel
Ein Beispiel, wie es sich anhört: „Wenn du an deine Kollegin denkst – was nimmst du da wahr in dir? Bist du da wütend? Oder gibt es andere Gedanken? Was taucht auf?” Das sind vier Impulse in einem Atemzug. Das Gegenüber wirkt vielleicht ruhig – innerlich fragt es sich längst, wo es jetzt anfangen soll.
Die Lösung ist klar, aber braucht Übung: eine Frage stellen, und dann nichts mehr machen. Punkt. Innehalten. Raum lassen. Abwarten. Auch wenn man denkt: „Oh man, das hätte ich noch präziser fragen können.“ Dann einfach beim nächsten Mal drei Sekunen länger nachdenken, bevor man fragt – dann passiert das weniger häufig 😉
Mitten im Satz kommt die Erkenntnis
Und wenn man mitten im Sprechen merkt, die Frage war nicht gut, dann ist das völlig okay. Das kann passieren. Einfach kurz benennen: „Entschuldige, lass uns die streichen – ich frage nochmal neu.” Das ist kein Fehler, das ist Klarheit. Was hingegen nichts bringt: die erste Frage mit einer zweiten zu reparieren und mit einer dritten zu vervollständigen.
Eine Frage, bewusst gestellt, mit echter Pause dahinter, gibt dem anderen das, was er wirklich braucht: Raum, um in sich hineinzuspüren. Und genau da beginnt das gute Gespräch.



