Es passiert fast automatisch. Die Klientin/Kundin erzählt, und noch während sie spricht, fängt es im eigenen Kopf an zu rattern. Eine Idee formt sich, eine Lösung taucht auf. Manchmal sogar eine richtig gute. Und dann kommt der Impuls, es zu sagen – natürlich mit dem Hintergrund, der Klientin zu helfen.
Dieser Impuls ist menschlich. Er kommt aus echtem Wohlwollen. Und trotzdem ist das, in der Begleitungsrolle, meistens der falsche Weg.
Denn jede Lösung, die wir anbieten, kommt aus unserem Bezugsrahmen. Aus unserer eigenen Biografie, unseren Erfahrungen, unserer Art, die Welt zu sehen. Die Klientin aber lebt in einem völlig anderen Bezugsrahmen. Was für uns selbstverständlich klingt, kann für sie etwas sein, was nur Fragezeichen hervorbringt – und es kann für sie das total Falsche sein. Wer Probleme mit dem Partner hat und die Antwort bekommt, die aus einer völlig anderen Lebensrealität stammt, kann damit schlicht nichts anfangen.
Es lohnt sich, ehrlich in sich hineinzuspüren, wenn solche Lösungsideen im Kopf auftauchen: Was bringt mich gerade dazu zu glauben, dass meine Lösung die richtige für sie ist?
Ich muss abliefern | Ich muss leisten
Meistens steckt da mehr drin als reines Wohlwollen. Oft ist es ein Leistungsgedanke. Das Gefühl, abliefern zu müssen. Gut sein zu wollen. Den anderen schnell zu seinem Ergebnis zu führen. Und dabei wird dann vergessen, dass es doch ihr eigenes Ergebnis und ihre eigene individuelle Lösung sein soll, die sie findet, nicht unsere.
Es ist ja eigentlich kein Geheimnis: Menschen führen sich selbst am schnellsten zu ihren eigenen Lösungen, wenn man sie lässt. Wenn man zuhört, paraphrasiert, Raum hält – und das eigene Ego beiseitelegt.
Das ist keine Schwäche, sondern gutes Handwerk.



