Warum schnelle Lösungen beim Coaching oft nicht funktionieren
Der Wunsch nach der schnellen Lösung
Ich möchte über ein Thema sprechen, das uns alle betrifft: den Wunsch, eine Technik zu erlernen, die uns näher zu uns selbst bringt, uns heilt und unsere Probleme löst. Aber was steckt wirklich hinter diesem Wunsch?
Als jemand, der selbst Lösungen sucht, kenne ich das Verlangen, eine Technik zu finden, die all meine Probleme im Handumdrehen beseitigt. Ebenso wichtig ist es jedoch, in meiner Rolle als Begleiterin die richtigen Techniken zu finden, um anderen Menschen korrekt beizustehen. Diese Frage ist in meinen Ausbildungen in den letzten Wochen immer wieder aufgetaucht und ich widme meine heutige Podcast-Folge genau diesem Thema.
Zunächst einmal ist es völlig verständlich, dass wir uns eine schnelle Lösung wünschen. Wenn wir mit Themen, Mustern und Emotionen konfrontiert sind, die sich unangenehm anfühlen, haben wir eine Vorstellung davon, dass Leichtigkeit anders aussieht. Viele von uns haben diese Leichtigkeit vielleicht schon früh in der Kindheit verloren, andere erst später durch die Herausforderungen des Lebens. Doch tief in uns drin wissen wir, dass es etwas Besseres, Helleres gibt.
Wenn wir einmal erkannt haben, dass auf der anderen Seite dieser Mauer das Licht wartet, wollen wir natürlich so schnell wie möglich dorthin gelangen. Es ist nur menschlich, nach einer Technik zu suchen, die sofortige Erleichterung verspricht. Und so springen wir als Betroffene auf jede Methode an, die uns verspricht, all unsere Probleme von heute auf morgen zu lösen.
Der richtige Zeitpunkt ist wichtiger als die richtige Technik
Doch die Realität sieht anders aus. In meiner langjährigen Erfahrung als Begleiterin im traumasensiblen Coaching habe ich viele Techniken kennengelernt, die zur richtigen Zeit Welten bewegen können. Der entscheidende Punkt ist jedoch nicht die Technik selbst, sondern wann sie angewendet wird. Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt ist oft viel wichtiger als die Frage nach der richtigen Technik.
Wenn ich Menschen in der Ausbildung zum traumasensiblen Coach ausbilde, betone ich immer wieder: Es kommt nicht nur darauf an, welche Technik man anwendet, sondern wann und wie man sie anwendet. Ein Vergleich: Wenn ich jemanden zur Auslandskorrespondentin ausbilde, gehören Sprachkurse dazu. Aber es ist ebenso wichtig zu wissen, dass man in Paris nicht Englisch sprechen sollte und in London kein Französisch. Es geht darum, die Technik zur richtigen Zeit und im richtigen Kontext einzusetzen.
Ein Beispiel aus meiner Praxis: Atemtechniken können wunderbar sein, aber wenn sie zum falschen Zeitpunkt angewendet werden, können sie mehr schaden als nützen. Die Fähigkeit, zu erkennen, wann welche Technik angebracht ist, ist entscheidend.
Was Coaches wirklich lernen müssen
Viele Menschen suchen nach der nächsten Technik, um sich weiterzuentwickeln. Aber die wahre Kunst liegt darin, zu erkennen, was der nächste Schritt ist, der jetzt für mich selbst oder für die Person, die ich begleite, richtig ist. Statt nach dem übernächsten Schritt zu suchen, sollten wir uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren.
In einer meiner Ausbildungen läuft gerade eine Sichtbarkeits-Challenge. Dabei geht es darum, sich in einer geschlossenen Gruppe zu zeigen. Manche Teilnehmer denken jedoch schon an den nächsten Schritt und stellen sich vor, wie es wäre, sich der ganzen Welt zu präsentieren. Hier sage ich: “Ruder doch mal zurück und konzentriere dich darauf, was jetzt gerade möglich ist.” Es geht darum, zu erkennen, was für mich gerade stimmig ist und was ich brauche.
Wenn wir lernen, uns selbst wahrzunehmen, können wir auch andere besser begleiten. Es geht darum, den richtigen Moment für den Einsatz einer Technik zu erkennen. Es gibt keine schlechten Techniken, sondern nur ungeeignete Zeitpunkte. Wenn du dich also fragst, welche Technik du als nächstes lernen oder anwenden solltest, dann lerne zuerst die Technik, den richtigen Moment zu erkennen.
Echte Veränderung beginnt bei dir selbst
Zum Abschluss lade ich dich ein, einfach mal tief durchzuatmen und zu spüren, was du jetzt gerade brauchst. Vielleicht ist es ein Schluck Wasser, frische Luft oder einfach nur eine Pause vom Computer. Nimm dich selbst mehr wahr, und wenn du Menschen begleitest, nimm auch dein Gegenüber in dieser Weise wahr.
Wahres persönliches Wachstum und Heilung erfordern eine tiefe Verbindung zu sich selbst, Selbsterkenntnis und die Bereitschaft, sich dem gegenwärtigen Moment anzupassen. Nicht die schnelle Lösung bringt dich weiter, sondern die Fähigkeit, im richtigen Moment das Richtige zu tun.
In diesem Sinne wünsche ich dir, dass du den richtigen Zeitpunkt für alles in deinem Leben erkennst.
Was du aus dieser Folge mitnimmst
- Schnelle Lösungen und Wundertechniken im Coaching versprechen viel, halten aber selten, was sie versprechen.
- Der entscheidende Faktor ist nicht die Technik selbst, sondern der Zeitpunkt ihrer Anwendung.
- Traumasensibles Coaching bedeutet, genau hinzuschauen, was ein Klient in diesem Moment wirklich braucht.
- Wer sich selbst gut wahrnimmt, kann andere Menschen deutlich besser begleiten.
- Es gibt keine schlechten Techniken, nur ungeeignete Momente.
Wahres persönliches Wachstum und Heilung erfordern eine tiefe Verbindung zu sich selbst, Selbsterkenntnis und die Bereitschaft, sich dem gegenwärtigen Moment anzupassen und darauf zu reagieren, anstatt sich auf schnelle Lösungen oder spezielle Techniken zu verlassen.
- 00:00 💡 Wir suchen nach einer schnellen Lösung, um emotionale Probleme zu heilen, aber der wahre Schlüssel zur Veränderung liegt in der Verbindung mit sich selbst.
- Der Wunsch nach einer Technik, die heilt und Probleme löst, entspringt einem tieferen Bedürfnis, mit sich selbst in Verbindung zu treten.
- Wir suchen nach einer schnellen Lösung, um emotionale Probleme und Muster zu überwinden, in der Hoffnung, eine “Technologie” zu finden, die uns sofort heilt und Leichtigkeit in unser Leben bringt.
- 02:39 💡 Die Heilung des inneren Kindes ist keine schnelle Lösung, sondern ein Prozess, der trotz des Wunsches nach sofortigen Ergebnissen Zeit und Mühe erfordert.
- 03:17 💡 Der richtige Moment, nicht die Technologie, ist der entscheidende Faktor für eine tiefgreifende Veränderung im Leben eines Menschen.
- 03:59 💡 Der Schlüssel zu einem effektiven Training liegt nicht in der Technik selbst, sondern darin, zu wissen, wann man sie einsetzt.
- 05:13 💡 Das Beherrschen von Techniken ist weniger wichtig als das Lernen, sich anzupassen und auf die einzigartigen Bedürfnisse jedes Einzelnen im jeweiligen Moment zu reagieren.
- 06:17 💡 Konzentriere dich auf den aktuellen Schritt, anstatt ständig nach dem nächsten zu streben, um Herausforderungen zu überwinden und Fortschritte zu machen.
- 07:06 💡 Das Erkennen und Anerkennen der eigenen Bedürfnisse und Emotionen ist der Schlüssel zu persönlichem Wachstum und effektivem Coaching, anstatt sich auf bestimmte Techniken oder Technologien zu verlassen.
- 07:55 💡 Um Techniken zu beherrschen, musst du lernen, den richtigen Zeitpunkt für ihren Einsatz zu erkennen, egal ob bei anderen oder bei dir selbst, und Selbstbewusstsein entwickeln, um zu wissen, was du im gegenwärtigen Moment brauchst.

