Trauerbegleitung

Nicht allein der Tod kann uns Anlass zur Trauer sein. Verlust von Fähigkeiten durch Krankheit, fortschreitende Behinderung oder durch Alter, Verlust des Arbeitsplatzes und Verluste durch Trennung sind ebenso häufig Anlass zur Trauer.

Oft scheint diese Trauer nicht alleine zu bewältigen zu sein. Professionelle Trauerbegleitung hilft, den Weg des Trauerns im eigenen Tempo zu gehen.

Falle Träne
Falle Träne, falle zu Erde.
Am Ende glittest Du sonst nach innen,
ins Dunkle und müsstest ein Leben lang rinnen
im kreisenden Blut.
Du musst nicht warten und sparen.
So viele sehnen sich noch zur Erde,
so viele Tränen.
Lass sie heim…

Ruth Cohn

Ein zweites Leben

Es kann geschehen, 
dass das Leben uns den Tod schickt, 
um uns aufzuwecken –
uns so tief zu ergreifen, 
dass nichts mehr hält
und jeder Sinn uns flieht. 


Das ist die Geburt in unser zweites Leben, 
auch wenn sie uns bis aufs Blut erschreckt.
Das ist Ausdruck des Vertrauens, 
das das Leben in uns hat, 
auch wenn es uns selbst fast das Leben nimmt. 
Dass es uns geschieht, 
ist Zeugnis der geheimen Kraft, 
die in uns steckt und eingesetzt werden will,
auch wenn wir sie bisher 
nicht wahrgenommen haben.


Es ist der Ruf an uns
noch einmal neu festzulegen, 
was unsere Werte sind und wer wir noch sind, 
wenn wir das Kostbarste verlieren.
Es ist die Einladung, wie der Phönix,
aus der Asche emporzuschießen
und irgendwann – der Moment wird kommen –
die Bedeutung unserer Wunden zu verstehen. 
Es ist der Moment der tiefsten Wahrheit, 
in der wir nackt und ausgeliefert sind, 
geworfen in ein Leben erfüllt von leuchtendem Sterben.


Sogar das Schwerste hat einen Platz
in unserer Entfaltung. 
Genau in der Tiefe unseres Falls 
liegt die Höhe schon angelegt.
Es gibt keine Weisheit ohne Leid
und kein neues Bewusstsein
ohne vor dem Scherbenhaufen 
des alten Bewusstseins zu stehen.
Ob uns der Verlust zerstört oder reifen lässt,
entscheiden wir mit unserer Haltung.
Es ist unsere besondere Begabung 
das zu verwandeln, was unverwandelbar schien
und den Tod für uns zu gewinnen, 
nicht als Feind aber als Freund, 
der uns die Welt öffnet 
wie es nie je etwas konnte.

Ulrich Schaffer, 15. Februar 2019